26.05.2026 |
Acht Pfarreien im Bereich der Stadt Achern feiern bei gemeinsame Gottesdienst das Pfingstfest
Badische Neueste Nachrichten, 26.05.2026, Roland Spether
Achern.„Darf man Geburtstag von etwas feiern, das es gar nicht mehr gibt?“
Diese spannende Frage von Pfarrer Christof Scherer beim Pfingstgottesdienst mit Blick auf die alte Seelsorgeeinheit Achern hatte einen kleinen Haken. Denn ob es eine vergangene Struktur „Seelsorgeeinheit“ mit acht Pfarreien gibt oder ob daraus eine neue Kirchengemeinde Acher-Renchtal mit 36 Gemeinde wurde, die Kirche muss Pfingsten als das Fest der Sendung des Heiligen Geistes feiern.
Denn Pfingsten ist der „Geburtstag“ der Kirche und erinnert daran, dass die Apostel nach Tod, Auferstehung und Himmelfahrt ihres Herrn durch den Heiligen Geist mit Feuer und Flamme erfüllt wurden, ihre verschlossenen Häuser verließen und in der Welt Jesus als den Messias verkündet.
Die Apostel gingen bis an die „Grenzen der Erde“, gründeten Gemeinden und legten mit dem Brechen des Brots, der Verkündigung, der Nächstenliebe und dem Leben in Gemeinschaft die bis heute wichtigsten Grundelemente von Kirche. Seit viele Jahren ist es guter Brauch, dass die acht Pfarreien im Bereich der Stadt Achern gemeinsam dieses wichtige Hochfest der Kirche feiern, und daran wurde laut Pfarrer Scherer bewusst festgehalten, zumal mit der neuen Struktur seit dem 1. Januar 2026 nicht alte Traditionen aufgelöst wurden. Ganz im Gegenteil: Bewährtes soll bestehen bleiben und die Mitglieder der acht Gemeinden nahmen dieses Angebot dankbar an.
Etwa 400 Personen füllten die Kirche „Unserer Lieben Frau“ und ein Chor aus allen Gemeinden unter der Leitung von Frank Hodapp (an der Orgel: Leo Claes) ließ die „Melodie des Heiligen Geistes“ festlich erklingen. Aus den Gemeinden kamen auch 50 Ministrantinnen und Ministranten und bekräftigten durch ihren Dienst, dass die Kirche von Pfingsten immer noch eine junge Kirche ist, viele Begeisterte hat und diese auch künftig mitgestalten wollen. So wurde das Hochfest 2.000 Jahre nach dem ersten Pfingsten zur glanzvollen Geburtstagsfeier.
„Wie kommt man dem Heiligen Geist auf die Schliche?“, fragte Scherer in seiner Festpredigt. Er meinte damit, wie sich erkennen lässt, „ob in einer guten Sache auch tatsächlich der Heilige Geist erkennbar ist.“ Er verdeutlichte diese Frage an mehreren Beispielen. Eines davon waren die konträren Positionen während der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren. Während Martin Luther King für gewaltlosen Wiederstand und Integration stand, forderte Malcom X Selbstbestimmung der Schwarzen notfalls auch durch Waffengewalt.
„Was ist also richtig, friedlicher oder gewaltbereiter Widerstand?“. Die Antwort von Scheer lautete: „Für die gute Sachen darf nicht jedes Mittel recht sein.“ Doch wie können Menschen den „richtigen“ Weg finden? „Ich wünsche zu Pfingsten jedem, selbstkritisch zu sein, mit anderen zu reden und dass aus dem Herzen heraus ein innerer Frieden wächst“
Etwa 400 Christen aus acht Pfarreien feiern in Erinnerung an die Sendung des Heiligen Geistes vor rund 2.00 Jahren das Geburtstagsfest der Kirche. Foto Roland Spether