Dasein für die Menschen

27.05.2026 |

Am 27.Mai 1956 wurde Pfarrer Bruno Herrmann im Münster Freiburg durch Erzbischof Eugen Seiterich zum Priester geweiht. Mit einem Festgottesdienst wird dieses seltene „Gnaden-Priesterjubiläum“ am Sonntag, 31.Mai, um 10 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul gefeiert.
 

Die Wiege von Bruno Herrmann stand im Kinzigtal. Er wurde am 18. April 1932 in Haslach geboren. Mit seinen Eltern und seiner Schwester verbrachte er Kindheit und Jugend in Mühlenbach, dort war sein Vater Lehrer. Bereits im zweiten Schuljahr wurde er Ministrant. Zu dieser Zeit, lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, wurden die Gottesdienste noch in lateinischer Sprache gefeiert. Für den jungen Buben war die Messfeier in Kirchenlatein etwas ganz Besonderes, sie war „ein großes Geheimnis“, wie er es nennt.
 
Schon vor seiner Erstkommunion erhielt Bruno Herrmann Lateinunterricht durch seinen damaligen Heimatpfarrer Heinrich König, nach dem zweiten Weltkrieg erteilte ihm dieser auch Unterricht in Griechisch und Französisch. Zunächst besuchte Bruno Herrmann das Gymnasium in Offenburg, ab Februar 1946 die Heimschule Lender in Sasbach als Internatsschüler. Die christliche Erziehung im Elternhaus und dazu das Vorbild von Pfarrer König spielten eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, Priester zu werden. „Ich glaube nicht, dass ich es ohne Pfarrer König geschafft hätte“, blickt Bruno Herrmann dankbar zurück. Nach zwei Jahren Theologiestudium im Collegium Borromaeum in Freiburg folgte ein externes Jahr in Münster. Danach kehrte er zurück nach Freiburg, bevor er sein Studium in St. Peter abschloss. Auch wenn ihm die Predigtübungen während seines Studiums „Herzklopfen“ bereiteten und ihn ernsthaft an seiner Eignung zum Priester zweifeln ließen, so ermutigten ihn seine Ausbilder doch, seinen Weg weiterzugehen. Am 27. Mai 1956 weihte Erzbischof Eugen Seiterich Bruno Herrmann im Münster Freiburg zum Priester.
 
Von den 29 Priestern dieses Weihejahrgangs leben heute nur noch vier. „Geh nur, wohin ich dich sende, verkünde, was ich dich heiße, fürchte dich nicht, ich bin ja bei dir.“ Diesen Primizspruch wählte sich Pfarrer Bruno Herrmann vor nunmehr 70 Jahren für seine Tätigkeit als Priester. „Wir sind auf dem Weg zu einem großen Ziel und ich bin überzeugt, dass dort jemand auf uns wartet“ ist sein Glaubenssatz. Die individuelle Seelsorge war ihm immer ganz wichtig, das Dasein für die Menschen. Ebenso große Bedeutung hat für ihn die Verkündigung des Wortes Gottes.
 
Nach der Priesterweihe tat Bruno Herrmann ein Jahr Dienst als Kaplan in Forchheim bei Karlsruhe und drei Jahre in Karlsruhe-Mühlburg. Zwei weitere Kaplansjahre führten den Jubilar nach Ladenburg bei Heidelberg. 1962 erhielt er seine erste eigene Pfarrstelle in Grünsfeld bei Tauberbischofsheim. Eine „ungeheure Umstrukturierung“ erlebte Pfarrer Herrmann mit dem zweiten vatikanischen Konzil. Das Anspruchsdenken, dass alles Aufgabe des Priesters sei, war noch in den Köpfen vorhanden und machte die Einbindung von Laien in die vielfältigen Aufgaben „etwas mühsam“, Teamarbeit „musste erst eingeübt werden“.
 
Ein Urlaub im Haus St. Anna in Bad Griesbach etwa 1974 brachte Pfarrer Herrmann nach Bad Peterstal-Griesbach, wo er dem erkrankten Pfarrer Busam bei Gottesdiensten aushalf. „Eine solche Pfarrei liebt man“, dieser Satz seines Vorgängers im Amt ist Pfarrer Herrmann auch heute noch gut im Gedächtnis. 1977 übernahm er die Pfarrei St. Peter und Paul Bad Peterstal, 1983 kam St. Antonius Bad Griesbach dazu. Was für ihn der Kern des Priesterseins ist, wird an seinem Lieblingslied deutlich: „O Jesu, all mein Leben bist Du“, das er täglich betet. 16 Praktikanten hatte Pfarrer Herrmann während seines fast 30jährigen Wirkens als Pfarrer in Bad Peterstal.
 
Seit Christkönig 2006 befindet sich der Geistliche im Ruhestand, feiert aber auch heute noch gerne Gottesdienste mit der Gemeinde, soweit seine Gesundheit dies zulässt. Inzwischen ist der Jubilar 94 Jahre alt und muss etwas kürzer treten. Dennoch kommt Pfarrer Herrmann auch mit der Heiligen Kommunion zu Älteren und Kranken nach Hause oder ins Pflegeheim, und versucht, seelsorgerliche Begleitung anzubieten, gerade auch bei Sterbenden. „Auf dem letzten Weg ist der Priester Führer, der Arzt Bremser“, habe er in einem Gespräch mit einem Mediziner gemerkt. Auch wenn er inzwischen allein im Pfarrhaus lebt, sind doch immer wieder Menschen da, die regelmäßig nach ihm schauen. Maß halten heißt es für ihn auch bei der Lektüre, zu viel lesen strengt seinen Augen stark an. „Die Tugend liegt in der Mitte“ sagt Pfarrer Herrmann, der seinen Humor nicht verloren hat. Auch wenn die Gesundheit Probleme macht, „ich habe mich nie hängen lassen“ sagt er sehr diszipliniert. Nun steht aber die Feier seines Priesterjubiläums an. Am Sonntag, 31. Mai, zelebriert er gemeinsam mit Pfarrer Ralf Dickerhof um 10 Uhr einen feierlichen Dankgottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul. Wenn es um Geschenke für ihn geht, dann wünschte er sich schon bei früheren Jubiläen „das Beste, was man einem Seelsorger schenken kann“. Er halte es da mit Adolph Kolping, auf dessen Grabstein geschrieben steht „Ich bitte um das Almosen des Gebets“.
 
Am 27. Mai 2026 vor 70 Jahren wurde Pfarrer Bruno Herrmann im Münster Freiburg zum Priester geweiht. Mit einem Festgottesdienst wird das Gnaden-Jubiläum am Sonntag, 31.05.2006 in der Peterstaler Kirche St. Peter und Paul gefeiert.