05.06.2026 |
Die Gemeinde ist eine der wenig verbliebenen mit einer Prozession und einem Blumenteppich
Badische Neueste Nachrichten, 05.06.2026, Roland Spether
Kappelrodeck. Zwei rote Schmetterlinge flattern über einem bunten Kreuz auf dem selbst gefertigten Blumenteppich der Kommunionkinder. Gebogene Bänder um das Blumenkreuz symbolisieren das Verbindende im Glauben und in großen Buchstaben ist zu lesen: „Trau dich zu glauben.“
Dieser Einladung zu Fronleichnam haben viele fleißige Hände der Kommunionkinder aus Kappelrodeck und Waldulm auf ihrem Blumenteppich geformt, um damit einen alten christlichen Brauch zu pflegen, anderen eine Freude zu machen und auch ihren Glauben auszudrücken. Denn über dem Kreuz steht „Glauben verbindet“. Diese Aussage verweist auf die Kirche als „Gemeinschaft der Glaubenden“, in deren Mitte die Gegenwart Jesu als „Brot des Lebens“ steht.
Gibt es eine Prozession an Fronleichnam? Wer kümmert sich um die Blumenteppiche? Finden sich genügend Helfer? Wer baut die Altäre auf? Fragen, die im Vorfeld von Fronleichnam an allen Orten der Kirchengemeinde Acher-Renchtal gestellt werden, um das seit 1264 bestehende kirchliche Hochfest würdig zu feiern.
Da ist es ein Glücksfall, dass es in einer Gemeinde wie St. Albin Waldulm noch Mitglieder gibt, die im besten Sinne „unbedingt“ an christlichen Traditionen festhalten, auch wenn es immer schwieriger wird und die Prozession von vier auf zwei Altäre reduziert wird. „Doch zu Fronleichnam gehören Blumenteppiche und Prozessionen, das macht das Fest erst richtig schön“, so Diana Springmann, Sprecherin des Gemeindeteams.
Deshalb ist es ihr ein Herzensanliegen, dass die Kommunionkinder jedes Jahr mit Unterstützung der Katechten christlichen Motive und gute Gedanken zu farbenprächtigen Blumenteppiche formen und altes kirchliches Brauchtum leben. Dazu gehört, dass der Kirchenchor (Dirigent: Jürgen Köninger) und die Trachtenkapelle (Dirigent: Wolfgang Graf) die Melodie Gottes zum Klingen bringen und den hohen Festtag mitgestalten.
„Wir legen zu Fronleichnam auf jeden Fall Blumenteppiche, ganz egal, wie die Wettervorhersage ist“, betonte Diana Springmann Tage vor dem Fest. Hätte es regnen sollen, wären die auf Holzplatten geformten Blumenteppiche einfach in die Kirche getragen worden. Da das Wetter mitspielte, führte die Prozession durch den Ort und sie blieben im Freien, um das Fest zu verschönern.
Bereits um 4 Uhr war die Landjugend (KLJB) auf den Beinen, um einen 50 Meter langen Läufer mit christlichen Symbolen auf den weg zur Kirche zu legen. Vor dem Eingang zu Kirche gestalteten die jungen Leute einen weiteren Teppich, wie dies seit 60 Jahren guter KLJB Brauch ist.
Anderorts geht diese Tradition immer mehr zurück, weil die älteren Leute nicht mehr können, die jüngeren nicht mehr für diese Aufgabe bereit sind oder die Prozession auf einen langen Gang um die Kirche reduziert ist. In der Kirchengemeinde Acher-Renchtal gibt es zu Fronleichnam am Donnerstag und dem darauffolgenden Sonntag immerhin noch zwölf von 36 Gemeinden einen Gottesdienst mit Prozession und Blumenteppichen.
Fronleichnam ist in der katholischen Welt das Fest, bei dem die Kirche all ihre Pracht und Herrlichkeit entfaltet, um die Gegenwart Jesu im Zeichen des Brotes („Leib Christi“) als zentrale Mitte des Glaubens zu feiern. Denn die von Jesus im Abendmahlsaal von Jerusalem eingesetzte Eucharistie ist ein Geschenk des Himmels, das den Christen in Erinnerung an den Tod und die Auferstehung als bleibendes Vermächtnis übertragen wurde. „Die Eucharistie ist geistliche Nahrung. Sie stärkt den Glauben, schenkt Hoffnung und hilft den Menschen, den Blick auf das Wesentliche zu richten“, so Pater Manthottam Jose Rony.
Doch die Eucharistie ist nicht nur Erinnerung an das Leben Jesu, sondern im Zeichen des Brotes ist er gegenwärtig. „Er gibt den Menschen in den Zeichen von Brot und Wein nicht etwas von sich, sondern er gibt sich selbst, darin liegt das große Geheimnis des Glaubens.“
Darin liegt die Bedeutung von Fronleichnam, dass den Menschen die „lebendige Gegenwart Jesu neu bewusst gemacht wird“, betont Pater Rony. „Wenn wir ihn im Glauben aufnehmen, kann er unser Herz verwandeln, unseren Blick auf das Leben erneuern.“ Deshalb sei die Eucharistie so wertvoll, „weil Jesus den Menschen Gewissheit schenkt, dass er ihr Leben von innen her begleiten will und immer an ihrer Seite bleibt.“
In der Gemeinde St. Albin in Kappelrodeck-Waldulm hat die Landjugend einen 50 Meter langen Blumen-Läufer gelegt - hier Pater Rony mit der Monstranz. Foto: Roland Spether