Fatima-Tag mit Pfarrer Lukas Wehrle in Lautenbach
13.08.2026 |
Wenn der ehemalige Stadtpfarrer Lukas Wehrle zum Fatima-Tag nach Lautenbach kommt, machen sich viele Gemeindemitglieder aus seiner alten Pfarrei auf den Weg. Die festliche Messe mit acht Ministranten, Ferienchor und anschließender Andacht im Pfarrgarten wurde zu einem besonderen Abend.
Bei manchen Priestern ist das Mitwirken bei einem Fatima-Tag in Lautenbach wie das Wiedersehen zwischen alten Bekannten. Wenn der ehemalige Stadtpfarrer Lukas Wehrle kommt, machen sich sehr viele Gemeindemitglieder aus seiner alten Pfarrei auf den Weg, um ihn zu erleben. So war die Wallfahrtskirche an einem „normalen“ Donnerstag mitten im August bereits zum gestalteten Rosenkranz nahezu voll besetzt. Bis zum eigentlichen Gottesdienst, den der Geistliche mit acht Ministranten eröffnete, gab es keine Sitzplätze mehr – ein schönes Zeugnis dafür, dass vielen Menschen die festlich gestalteten Fatima-Tage ein Herzensanliegen sind.
Bereits zur Begrüßung erinnerte Wehrle an die Perlen in der Marienkrone, die er selbst vor neun Jahren eingelassen hatte, damals zum hundertjährigen Jubiläum der Marienerscheinungen in dem portugiesischen Dorf. Er sei der Einladung an seine alte Wirkstätte auch in diesem Jahr mit Freude gefolgt und komme gerne nach Lautenbach. Um dem ehemaligen Ortspfarrer musikalisch die Aufwartung zu machen, hatte sich ein „Ferienchor“ aus Mitgliedern der Kirchenchöre Lautenbach, Ödsbach und Zusenhofen zusammengeschlossen, der mit einer beeindruckenden Stimmgewalt von der Empore aus mit mehreren Marienliedern zu begeistern wusste. Organist Tobias Götz übernahm an dem Abend gleichzeitig den Dirigenten-Posten und so freuten sich die Gottesdienstbesucher über die gelungenen Liedbeiträge, die dem Abend eine besonders feierliche Note verliehen.
Wehrles Stärke war es schon immer, den Alltag in seine Predigten einzubeziehen und so verwunderte es nicht, dass er zu Beginn der Ansprache eine Sonnenfinsternis-Brille aufsetzte, die zwar schon 27 Jahre alt war, die er aber am Vortag wieder benutzt hatte. Bei der partiellen Sonnenfinsternis habe ihn beeindruckt, wie viel Kraft die Sonne noch besitze, obwohl sie zu 90 Prozent bedeckt war. „Wie viele Dinge schieben sich bei uns im Alltag zwischen uns und die mächtige Sonne der Gerechtigkeit?“ so der Geistliche. Auch die Würde des Menschen werde in unserer Zeit oft partiell bedeckt, vieles werde einem vermeintlichen Persönlichkeitsrecht untergeordnet, dass jeder alles für sich in Anspruch nehmen möchte – und dies am besten sofort.
Als der Jugendliche Carlo Acutis seliggesprochen wurde, erinnerte sich Pfarrer Wehrle an dessen Satz: „Wenn wir uns der Sonne zuwenden, werden wir braun. Wenn wir uns Jesus zuwenden, werden wir heilig.“ Dass Maria als Abschluss der Erscheinungen in Fatima ein Sonnenwunder gewählt hatte, schien ein sehr starkes Zeichen zu sein. Man könnte Jesus als unsere Sonne, als unseren Fixpunkt deuten. Die Schriftlesung erzählte das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht, der - selbst hochverschuldet - einem anderen Diener von dessen Schuld nichts erließ und dafür am Ende bestraft wurde. „Das alte ‚Wie du mir, so ich dir‘ sollte nicht mehr gelten, ich empfehle ein ‚Wie Gott mit, so ich dir‘ “ so der Geistliche. Mit einer persönlichen Episode endete die Predigt: Als Wehrles Neffe in Salzburg zum Priester geweiht worden war, stand die Familie auf dem Domvorplatz vor dem Marienbrunnen und eine Frau meinte: „Wenn Sie sich an eine bestimmte Stelle begeben, sieht es so aus, als ob Maria eine Krone tragen würde.“ Gesagt getan – tatsächlich bildet die Fassade des Doms aus einem bestimmten Winkel einen derartigen Hintergrund, dass der Eindruck entsteht, die Marienstatue auf dem Brunnen habe eine Krone auf dem Haupt. „Lassen wir Maria unseren Standort sein und schauen mit ihr nach oben zur Sonne der Gerechtigkeit“ so die Schlussworte der Ansprache.
Nach der Messe dankte der Geistliche allen Mitwirkenden – den Ministranten, der Mesnerin, Lektoren, Kommunionhelfern und allen, die in irgendeiner Weise zur Gestaltung des Tages beigetragen hatten. Dann ging es in den Pfarrgarten zur Marienstatue. Wegen der Trockenheit gab Pfarrer Wehrle die Devise aus „Die echten Kerzen brennen heute nicht, wir gehen mit glühenden Herzen nach draußen zur Gottesmutter.“ Dort erfolgte eine kleine Andacht, der Schlusssegen und ein Marienlied – und wie als „Antwort von oben“ erstrahlte der Platz um die Marienstatue beeindruckend im abendlichen Licht der untergehenden Sonne.