Nesselrieder Fest – ein „Osterfest mitten im Sommer“
15.08.2026 |
Mit einem feierlichen Hochamt, kunstvoll gebundenen Wihennen und der Sakramentsprozession feierte Nesselried am 15. August sein Kirchenpatronat – das traditionelle „Nesselrieder Fest“.
Pfarrer Ralf Dickerhof hatte in der Vorabendmesse zum Hochfest Maria Himmelfahrt von einem „Osterfest mitten im Sommer“ gesprochen. Diese freudige Bezeichnung passte auch in diesem Jahr zum 15. August, dem Tag des „Nesselrieder Festes“, wie die Feier des Kirchenpatronats dort gerne bezeichnet wird. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass man in den Familien gemeinsam mit denjenigen feiert, die an diesem Tag in die Heimat kommen, dass man gemeinsam am Gottesdienst teilnimmt und sich anschließend zum Essen trifft.
Auch die Wihennen, die oft kunstvoll gebundenen Blumengebinde, fehlten in diesem Jahr nicht und so konnten viele derartige Sträuße, die nach bestimmten Regeln gebunden werden, bewundert werden. Der Legende nach war Marias Grab mit Blumen gefüllt und ihr Leichnam nicht mehr aufzufinden. Deswegen wird dieser Feiertag immer mit Blüten und wohlduftenden Kräutern in Verbindung gebracht. So war es ein schönes Zeichen, dass die zahlreichen Kinder der Kinderkirche, die zur Prozession in die Kirche kamen, alle eine Wihenne in der Hand hielten.
Zum feierlichen Hochamt in der Wallfahrtskirche waren in diesem Jahr mehrere Priester anwesend: neben den Ortsgeistlichen Jürgen Schindler und Soji Chacko zelebrierte der aus Nesselried stammende Pfarrer Martin Sauer mit - ebenso wie der aus Oberkirch angereiste leitende Pfarrer der Großpfarrei Acher-Renchtal Ralf Dickerhof. Ihm war die Freude darüber, sein erstes „Nesselrieder Fest“ in dieser Funktion erleben zu dürfen, anzusehen. Bereits zum Einzug mit zehn Ministranten erklangen feierliche Klänge: der Kirchenchorleiter Fabian Knopf und seine ehemalige Trompetenschülerin Nicola Bruder spielten den ersten Satz eines Telemann-Konzertes. Begleitet von Tobias Götz an der Orgel war dieses Stück ein Vorgeschmack auf den feierlichen Gottesdienst. Auch der Kirchenchor war wie jedes Jahr mit von der Partie, mit anspruchsvollen Singstücken wie dem Schlusschor des eigens für Nesselried komponierten Magnificats trugen die Sänger wesentlich zum Gelingen der Messe bei.
Pater Soji eröffnete augenzwinkernd seine Ansprache mit dem Satz „Ich beglückwünsche Sie dazu, dass Sie heute Morgen die richtige Entscheidung getroffen haben und in die Kirche gekommen sind.“ Die Predigt stand unter dem Leitgedanken, dass Maria wie viele Menschen heute nicht wusste, worauf sie sich im Leben einlassen sollte. Sie erlebte Ungewissheit, Angst, Ablehnung und den Tod des eigenen Kindes. Ihr Satz „Mir geschehe nach deinem Wort“ ist für den Geistlichen einer der stärksten Sätze der Bibel: er bedeutet, dass ein Mensch nicht sagt „Ich verstehe alles.“ sondern „Ich vertraue.“ Viele solcher Menschen durfte Soji in seinem priesterlichen Dienst bereits kennenlernen: Menschen, die Schweres erlebt haben oder Fehler gemacht haben und dennoch sagen konnten, dass Gott sie nicht habe fallen lassen. Maria war eine der ersten, die gesagt hatte „Herr, ich verstehe nicht alles, aber ich gehe den Weg mit dir.“ Und wenn des Menschen Weg auf der Erde irgendwann ende, stehe Maria an der Seite und zeige auf, dass für Menschen bei Gott ein Platz ist. Soji endete seine Ansprache mit den Worten „Ich gebe Ihnen einen Gedanken mit: ich muss nicht alles schaffen, muss nicht immer stark sein sondern darf darauf vertrauen, dass Gott mich hält.“
Nach der Messe ging es zur Sakramentsprozession auf die Straße. Angeführt vom Musikverein unter Leitung von Mathias Katzmann wurden das Allerheiligste und die Marienstatue durch das Dorf getragen, bevor sich die Gemeinde wieder an der Pfarrkirche versammelte. Nach dem feierlichen Schlusssegen und einem gemeinsamen Schlusslied lud Gemeindeteam-Sprecher Hermann Knopf zum gemeinsamen Verweilen ein: der Musikverein hatte den Weinstand von der Vorwoche extra stehen lassen, damit man auch an diesem Tag „nicht trocken nach Hause gehen muss.“ Gerne wurde das Angebot von den Gottesdienstbesuchern angenommen und so blieben noch viele bei guten Gesprächen und mit kühlen Getränken an der Kirche stehen.