Heimat als Auftrag: Bischof Gerber feiert Pontifikalamt in Oberkirch

13.09.2026 |

Mit einem festlichen Pontifikalamt in der Pfarrkirche Sankt Cyriak wurden am Sonntag die Landesfesttage der Heimattage Baden-Württemberg in Oberkirch gefeiert. Der gebürtige Oberkircher und Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber stellte in seiner Predigt Heimat, Verantwortung und Versöhnung in den Mittelpunkt.

Zahlreiche Gläubige sowie Gäste aus Kirche, Stadt und Land kamen am Sonntag, 13. September, zum Pontifikalgottesdienst in die Pfarrkirche Sankt Cyriak. Unter den Gästen waren Oberbürgermeister Gregor Bühler, die evangelische Pfarrerin Franziska Clemen sowie Marion Gentges MdL, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat und Schirmherrin der Heimattage Baden-Württemberg.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von den Kirchenchören Oberkirch und Nußbach unter der Leitung von Konrad Bayer, der Stadtkapelle Oberkirch unter Stadtmusikdirektor Zeno Peters, dem Blechbläser-Ensemble des Musikvereins Nußbach sowie weiteren Musikerinnen und Musikern.

Drei Orte der Heimat

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Predigt von Bischof Michael Gerber. Unter dem Leitgedanken „Heimat Oberkirch“ nahm er die Festgemeinde mit an drei Orte, die für ihn persönlich eng mit seiner Heimat verbunden sind.
Der erste führte über Waldulm zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf Oberkirch. Gerber berichtete, dass dieser Halt für ihn nach längerer Abwesenheit zum Heimkommen dazugehöre. Gleichzeitig erinnerte er an Menschen, denen eine Rückkehr in ihre Heimat durch Krieg, Flucht und Vertreibung nicht möglich ist. Heimat sei deshalb nicht nur ein geografischer Ort, sondern entstehe auch dort, wo Menschen Aufnahme und Beziehungen erfahren.
Als zweiten Ort nannte Gerber die Obstanlagen rund um Oberkirch. Die Kirschblüte stehe für Schönheit, aber zugleich für die Zerbrechlichkeit des Lebens, da bereits eine Frostnacht große Schäden verursachen könne. Daraus leitete er die Verantwortung ab, besonders auf Menschen zu achten, deren Leben von Krankheit, Einschränkungen oder schwierigen Lebensbedingungen geprägt ist.
Dabei erinnerte er auch an seine eigene Zeit als Ministrant in Oberkirch. Kirche habe er damals als einen Ort erlebt, an dem junge Menschen Verantwortung übernehmen und Selbstwirksamkeit erfahren konnten. Solche Erfahrungen müsse Kirche auch heute ermöglichen.

Versöhnung statt Vergeltung

Der dritte Ort führte nach Gaisbach zum „Silbernen Stern“, wo Grimmelshausen Teile des „Simplicissimus“ verfasste. Von dort schlug Gerber den Bogen zu den Kriegen und Konflikten unserer Zeit sowie zur deutsch-französischen Geschichte der Region.
Er warnte davor, persönliche und gesellschaftliche Verwundungen für neue Feindbilder und Aggression zu nutzen. Christentum und faschistoide Strömungen seien „in ihrem Kern unvereinbar“. Die christliche Botschaft stehe nicht für Vergeltung, sondern für Heilung und Versöhnung.
Als Beispiel erinnerte Gerber an den früheren Oberkircher Bürgermeister Erwin Braun, der im Krieg ein Bein verloren hatte und sich später für Versöhnung und Völkerverständigung einsetzte. Aus Verwundung könne eine neue Kultur der Menschlichkeit, Empathie und Dankbarkeit entstehen.

Dank und Segnung des Turmkreuzes

Zum Abschluss dankte Pfarrer Ralf Dickerhof allen, die den Gottesdienst vorbereitet und gestaltet hatten – darunter den Musikerinnen und Musikern, Ministrantinnen und Ministranten, liturgischen Diensten, dem Technikteam und den vielen weiteren Helfenden.
Nach dem bischöflichen Segen wurde außerdem das frühere Turmkreuz von Sankt Cyriak an seinem neuen Platz am Kirchturm gesegnet. Die Initiative dafür ging von der Stabhalterei Wallachei aus.
Der Festgottesdienst machte damit deutlich: Heimat ist nicht nur ein Ort der Herkunft. Sie entsteht dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen und gemeinsam an Versöhnung und Zukunft arbeiten.