Caritasverband leistet Sozialarbeit für Wohnungslose

07.10.2026 | Nicht jeder möchte Hilfe annehmen

Die Stadt Achern finanziert Sozialarbeit in zwei Notunterkünften. Mitarbeitende des Caritasverbandes Vordere Ortenau beraten Wohnungslose, bieten Unterstützung an und helfen bei Konflikten.

Achern. Wer keine Wohnung mehr hat und in eine Notunterkunft eingewiesen wird, bringt meistens wenig Gepäck und dafür viele Probleme mit. Die Stadt Achern finanziert eine halbe Sozialarbeiter-Stelle, um den Bewohnern von zwei Obdachlosenunterkünften Hilfe anzubieten. Das gelingt mal gut und mal weniger, heißt es in einer Mitteilung des Caritasverbandes Vordere Ortenau.

Christiane Schulze-Jank besucht im Auftrag der Stadt Achern regelmäßig ein Mehrfamilienhaus in Oberachern. In Wohngemeinschaften leben dort bis zu 17 alleinstehende Männer und Frauen. Manche betrachten das zugewiesene Zimmer als Zuhause, weil sie seit vielen Jahren nichts anderes kennen.

Ein Bewohner hat Gemüse an der Hauswand angepflanzt, ein anderer hegt Pflanzen auf der Fensterbank. Eine Bank vor dem Gebäude ist ein Treffpunkt zum Reden. „Wer neu hier ankommt, wird von mir beraten“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin. Vor allem hilft sie den Wohnungslosen dabei, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie bespricht mit ihnen, wie sie mit knappen Mitteln auskommen können oder hilft dabei, Anträge auf Unterstützung zu stellen. Wer viele Schulden oder ein Suchtproblem hat, vermittelt sie an eine Schuldner- oder Suchtberatung – wenn die Person das möchte.

Einmal im Monat stiftet sie Gemeinschaft, indem sie den Container neben dem Haus öffnet, dort Kaffee kocht oder heiße Würstchen anbietet. „Manche Bewohner suchen einen Gesprächspartner, andere gar nicht“, weiß Christiane Schulze-Jank. Hier könnten ehrenamtlich Mitarbeitende ihre Zeit investieren. Sie selbst hat nur einen kleinen Stellenanteil für diese Arbeit, macht sie aber gern: „Ich vermittle auch bei Konflikten, die entstehen, wenn man auf engem Raum lebt. Hier hat jeder sein Päckchen zu tragen.“

Erfolgserlebnisse sind für sie, wenn jemand wieder arbeiten geht oder eine geeignetere Unterkunft findet. Oder wenn ein Mensch mit psychischer Erkrankung engmaschiger begleitet werden möchte und der Antrag auf Assistenz im Wohn- und Sozialraum als Teil der Eingliederungshilfe erfolgreich war.

„Das Hilfesystem in Deutschland ist gut, aber nicht selbsterklärend“, sagt Nico Heindl, Fachbereichsleiter für die Aufsuchenden Dienste beim Caritasverband. In der Urlaubszeit vertritt er Sozialarbeiter Timo Graf in den Containern für Wohnungslose in der Morezstraße in Achern. Dazu öffnet er zu der vorher angekündigten Zeit die Tür zu einem Büro und wartet.

In den Containern in der Morezstraße leben fast nur Männer, vom jungen Erwachsenen bis zum Rentner. „Wir sind als verlässliche Ansprechpartner vor Ort. Wir kümmern uns um die Probleme, mit denen die Bewohner zu uns kommen“, sagt Nico Heindl. Manche erzählen, warum sie wohnungslos geworden sind. Der Verlust der Arbeit oder ein Zerwürfnis mit der Familie, eine Erkrankung, eine vorausgegangene Haftstrafe, Schulden oder Gewalterfahrungen werden oft genannt.

„Im Moment ist es ruhig“, stellt der Sozialarbeiter fest. Er weiß, dass in den Unterkünften auch Menschen leben, die sich nicht mehr gut um sich selbst kümmern können. „Manche ihrer Lösungswege haben nicht den gewünschten Erfolg oder schaffen neue Probleme“, sagt er. Eingreifen könne man nur auf der Basis von Freiwilligkeit und Mitwirkung; „Es gibt dafür in Deutschland zu Recht klare Regelungen“.

Dass verlässlich und niederschwellig regelmäßig jemand vor Ort sei, gebe es längst nicht in allen kommunalen Notunterkünften, so Nico Heindl vom Caritasverband: „Die Stadt Achern tut hier mehr als andere.“ Die Sozialarbeiter des Verbandes bekommen so die Möglichkeit, einen guten Draht zu den Menschen ohne Wohnung aufzubauen. Sie können Hilfe anbieten und Konflikte klären.

Nico Heindl und Christiane Schulze-Jank vom Caritasverband Vordere Ortenau haben ein Büro in der Containerunterkunft für Wohnungslose in Achern.

Foto: Caritasverband/Michaela Gabriel